Ein deutsches Leben

Ein deutsches Leben

Ein deutsches Leben

Dokumentarfilme über den 2. Weltkrieg gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer. Und wo sich die meisten von ihnen damit begnügen, gebetsmühlenartig zu wiederholen, wie furchtbar die Zeit damals war und immer und immer wieder dieselben Ausschnitte aus Archiven zeigen, so gibt es unter ihnen doch auch noch Ausnahmen. Ausnahmen, die, obwohl extrem minimalistisch gehalten, den Zuschauer von Anfang bis Ende fesseln. „Ein deutsches Leben“ ist eine davon!

1 Stunde und 53 Minuten dauert das gezeigte Interview mit Brunhilde Pomsel, ihres Zeichens ehemalige Stenographistin im Propagandaministerium des Dritten Reiches, direkt einem der gefährlichsten Menschen unterstellt, die je gelebt haben: Joseph Goebbels. Unterlegt wird natürlich auch dieses Interview an passenden Stellen von Archivaufnahmen aus den USA, allerdings sind diese fast zur Gänze neu und bieten somit einen zusätzlichen Einblick auf eine Zeit, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können.

Was „Ein deutsches Leben“ jedoch von anderen, ähnlichen, Werken deutlich unterscheidet ist: es schwingt weniger die Moralkeule, sondern regt den Zuschauer zum Selberdenken an. Dies wird auch immer wieder deutlich, wenn man merkt, dass Brunhilde Pomsel fast zu keiner Zeit Reue für ihre Entscheidungen zeigt, sondern sich desöfteren eigentlich selbst als wehrloses Opfer der damaligen Zeit und des damaligen Regimes sieht. Auch holt Pomsel den Zuschauer das eine oder andere Mal ganz plötzlich aus seiner Sicherheit vor der Leinwand, indem sie ihn indirekt anspricht und die Behauptung in den Raum stellt, dass viele Menschen heutzutage zwar meinen, sie hätten damals anders gehandelt, sie selbst dies aber mehr als deutlich bezweifelt. Und das durchaus aus sehr gutem Grund: wer damals gegen das Regime gehandelt hat, spielte schlicht mit seinem Leben und da der Mensch immer schon auf sein eigenes Wohl und Überleben bedacht war, sind Pomsels Zweifel hier mehr als legitim. Denn wer kann schon mit Sicherheit sagen, wie er handeln würde, wenn seine Entscheidungen nicht nur „normale“ Konsequenzen hätten, sondern ihn und seiner Familie tatsächlich das Leben kosten würden?

An anderen Stellen wiederum merkt man eindeutig, dass Pomsel schwer mit sich selbst hadert und immer wieder versucht, das Vergangene zu verdrängen oder zu relativieren. In diesen Momenten, die durch das harte Studiolicht perfekt dramaturgisch eingefangen werden, wird einem eines mehr als klar bewusst: man hat es hier weder mit einem gewissenlosen Täter, noch mit einem reinen Opfer zu tun. Und genau in derselben Lage waren damals viele „kleinen“ Leute, die einfach vom System der NSDAP mitgerissen wurden, also würde man es sich als Zuschauer definitiv zu leicht machen, Menschen wie Pomsel einfach pauschal als Monster abzustempeln. Dafür war die dunkelste Stunde der Europäischen Geschichte einfach zu vielschichtig und grausam!
Fazit: was bei mir persönlich am meisten Eindruck hinterlassen hat bei diesem Interview waren die zahlreichen Parallelen zur aktuellen politischen Lage in Europa. Wie das rechte Lager an Einfluss gewinnen kann, wie ein Feindbild geschaffen wird und wie die Medien manipuliert werden, damit die NSDAP an die Macht kommen konnte, erinnert schon mehr als deutlich an heutige Extreme wie FPÖ, AfD und wie sie alle heißen. Und auch heute zeigt sich wieder, dass eine Vielzahl an Menschen sehr schnell bereit sind, ihren „Idolen“ blind zu vertrauen und zu folgen.
Der einzige Unterschied zu damals ist: heute in der digitalen Zeit, wo Informationen auch abseits der Mainstream-Medien zu beschaffen sind, wäre es ein Leichtes, sich über die Wahrheit zu informieren. Und darüber, was die Europäische Rechte wirklich ist, nämlich brandgefährlich! Und sollte sie tatsächlich wieder an die Macht kommen (was hoffentlich nie der Fall sein wird!), dann wird niemand, der sie gewählt hat, reinen Gewissens sagen können, er habe ja nicht ahnen können, was da auf uns zukommt. So einfach geht es heute nicht mehr!
Credits: europa-verlag.com

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Markus

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